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Bangkok, mal anders

16.-19.1.2014 ::

Timing! Raus aus dem Do-Do, ein TukTuk wo die Fahrgäste in Front sitzen und der Fahrer von hinten steuert (Memo an mich: man müsste mal eine Foto-Dokumentation über die verschiedenen Bauarten von TukTuks machen), rein in den 1st Class-Bus, den wir zufällig noch erreichten, da er etwas Verspätung hatte.

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So sollten wir die 7 Stunden Busfahrt von Sukhothai nach Bangkok nicht nur in den Genuss der extrem guten Strassenbedingungen Thailands kommen, sondern auch zu einem kleinen Snack, etwas zu Trinken, Boardtoilette, TV mit aktuellen Blockbustern und AC. Letztere prasselte allerdings bedingungslos auf uns die ganze Zeit ein, was zur folge hat, dass Sandra nun einen Schnupfen davon hat.

Shutdown Bangkok and Restart

Das ist das Motto, was uns schon seit Tagen beschäftigt und warum wir die Nachrichten und die tägliche Berichterstattung im Auge behalten haben.

Seit November letzten Jahres wird in Thailands Hauptstadt gegen die aktuelle Regierung demonstriert und gestreikt. Das Ganze erreichte am letzten Wochenende ein ganz neues Level, in dem mehrere Verkehrsknoten in der Stadt „eingenommen“ und somit gesperrt wurden – was zum Shutdown führen soll. Im schlimmsten Fall für uns, sollte der Flughafen bzw. die Flugsicherung lahm gelegt werden, was eine sofortige Stilllegung des gesamten Flugverkehrs bedeuten würde. Derzeit ist das noch nicht der Fall. ToiToiToi!

Klar war, dass uns ein etwas anderes Bangkok erwarten würde als bei unserem letzten Besuch vor 1 1/2 Jahren.
Wer in diesen Tagen BKK besucht, kommt gefühlt in eine Geisterstadt. Die sonst immer verstopften Straßen und Seitengassen können zur Zeit zu Fuß überquert werden. Die Läden schließen schon gut eine Stunde vor offiziellen Ladenschluss oder machen erst gar nicht auf. Das sonst sehr rege Treiben in den Gassen von unserem Viertel Pratunam, dürfte eher mit gemütlichen Schlendern beschrieben werden. Gleiches gilt für die sonst immer randvollen Shopping-Malls wie das Platinum.

Frei nach dem Motto: Gesperrt bedeutet nicht, dass nichts mehr geht! Nutzen die erfinderischen Thai’s die nun zur Verfügung stehende Fläche auf den Straßen als Gelegenheit ihre fliegenden Verkaufsstände und Garküchen aufzubauen. Dadurch kommt rund um die Kundgebungen eher eine Art Straßenfest Feeling auf, als das es hier einem – der Regierung – an den Kragen gehen soll. An den Ständen wird u.a. alles verkauft, wo eine Thailandflagge drauf passt. Ohringe, Armbänder, Brillen, T-Shirts und und und. Das erinnert sehr stark an Deutschland während der WM 2006.
In den Parks, auf Parkdecks im Parkhaus und zwischen den parkenden Autos auf der Straße wurden mit 2-Mann Zelten oder nur deren Moskitonetze ganze Zeltstädte errichtet in dem die Regierungsgegner von außerhalb es sich „wohnlich“ gemacht haben und seit Wochen campieren.

Trotzdem ist das hier kein Spaß, denn immer wieder kommt es auch zu Übergriffen oder wie gestern zu Bombenanschlägen. Somit machen wir einen größt möglichen Bogen um die Altstadt und die anderen Kundgebungsorte. Problem: Unser Schneider liegt auf der anderen Seite und ich wollte mir einen neuen Anzug machen lassen 🙁 Hab ich auch.

Was wir sonst noch festgestellt haben ist die Dynamik der Stadt und die Geschwindigkeit in der sich alles ändert. Ich kann mir gut vorstellen, dass das auch mit in den Unmut der Regierungsgegner reinspielt. So hat bestimmt nicht Jeder etwas von dem neu entstandenen und entstehenden Reichtum der letzten Jahre abbekommen. Immer mehr hochmoderne Shopping-Paläste, Wohngebäude und Bürohäuser werden aus dem Boden gestampft und weichen den zum Großteil heruntergekommen Häusern der Vergangenheit. Bangkok ist im Verhältnis zu meinem ersten Besuch 2008 deutlich sauberer und moderner, aber auch westlicher geworden.
Letzteres ist bestimmt auch dem letzten Rekordjahr an Tourismus geschuldet. Im Jahr 2013 kamen knapp 30 Millionen Touristen nach Thailand, in dem gerade mal 60 Millionen Thai’s leben.
Einen Großteil der Besucher dürften zwei große Nationen ausmachen, die erst vor wenigen Jahren Thailand für sich entdeckt haben. China und Russland. Nachdem wir das letzte mal in Südthailand auffällig viele Russen getroffen haben, war Chiang Mai nahezu in chinesischer Hand.

Ich bin schon gespannt wie die Stadt sich in den nächsten 6 Jahren entwickelt. Fakt dürfte sein, dass noch mehr Shopping-Paläste mit den bekannten Weltmarken (H&M, Zara, Gucci, Prada & Co) auf Einen warten. Auch der Lebensstandard dürfte weiter steigen.
Zu wünschen wäre der Stadt, dass das BTS Metro-System endlich ausgebaut wird, denn darin sind sie nach wie vor noch eine Entwicklungsstadt. Gerade im Vergleich mit Städten wie Tokyo oder Singapore. Das eine Stadt ohne wirkliches U-Bahn System bei 8 Millionen Einwohnern (so viel wie New York City) nicht kollabiert, grenzt täglich an ein Wunder. Aber ein erster Schritt ist getan, in dem vor zwei Jahren der internationale Flughafen per Rail-link an die Stadt angebunden wurde. Wenn jetzt noch der lokale Flughafen an die Stadt und mit den internationalen Flughafen verbunden wird, dürfte das Verkehrschaos, das die Stadt zum Teil so liebenswert macht, weiter abnehmen. Vielleicht nimmt bis dahin der Fahrkarten-Automat auch Scheine und man muss nicht immer erst zum Schalter laufen um Geld zu wechseln, damit man entsprechend viele Münzen hat 🙂

Ich freue mich auf das Jahr 2020. Man darf gespannt sein, dann vielleicht auch schon mit einer anderen Regierung.

Gastautor San:

Über vier Jahre konnte ich Bangkok und seine Veränderungen beobachten. So schön wie es ist, dass man überall relativ leicht hinfliegen kann, so finde ich es doch sehr schade, wie die Globalisierung sich gerade auf die Großstädte negativ auswirkt. Sie verlieren an Charme, sie werden irgendwie alle gleich. Altes wird niedergestampft und weicht gleichausehenden Hochhäusern, Fastfood-Ketten marschieren ins Land, die westliche Lebensart wird übernommen und überall stehen die gleichen Shoppingmalls mit ihrem schrecklichen Einheitsbrei. Das finde ich sehr schade und fällt leider besonders in BKK auf.

Jahrelang habe ich mich hier auf unerklärliche Weise sau wohl und irgendwie total Zuhause gefühlt. Das ist auf der einen Seite schon noch so, aber irgendwie ist es dieses Mal anders. Das, was Bangkok jahrelang für mich war, fühlt sich nun an, als würde es verloren gehen. So als ob etwas an einem Wendepunkt ist. Vielleicht bezieht sich das auf die Stadt, vielleicht ist es aber auch einfach irgendwie in mir, oder aber beides. Es fühlt sich sogar so an, als würde für mich die Bangkok-Zeit erst einmal beendet sein. Aber ich weiß ja, dass dafür immer Neues kommt!…

Morgen geht es für uns weiter Richtung Koh Tao, die kleinste der drei Inseln im Golf von Thailand.

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