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Tokio im Winter

21.-23.12.2013 ::

Kurz vor dem Urlaub bekam unsere Familie Zuwachs in Form von der kleinsten Vollformat-Kamera der Welt – und die kommt aus dem Haus von Sony! Somit hat die Kamera den langen weiten Weg auf sich genommen um mich erst glücklich zu machen, um dann von mir wieder in das Hauptquartier nach Tokyo geschleppt zu werden. Grund: ich benötige noch ein passendes Objektiv, welches wir gestern in Electric City nicht gefunden haben und da dachten wir, schauen wir doch direkt bei Sony mal vorbei!
Gesagt getan, schon waren wir in Ginza, dem Shopping Paradies der super Reichen. Nach dem Info-Check im Schauraum des Herstellers, machten wir uns auf den Weg zum empfohlen Kamera-Kaufhaus ums Eck. Da sollte ich dann nicht das gewünschte (das kommt erst im Januar auf den Markt, vielleicht reicht es noch bis Singapur) aber trotzdem ein Objektiv (50mm, f1,4) für meine Erweiterung der Sammlung kaufen.

Da wir schon beim Thema Technik waren, stand als nächstes der Besuch in der RICOH Hauptzentrale auf dem Programm. Nach dem die letzten beiden Tagen sehr regnerisch und ungemütlich waren, begrüßte uns heute bei strahlend blauem Himmel die Sonne in ihrer vollen Pracht. Somit entschieden wir uns dafür, die paar Blöcke bis zum Ziel zu Fuß zu laufen. Gut, vielleicht auch weil es mit der Metro sehr umständlich gewesen wäre 🙂
Beim Queren von Ginza, waren wir uns schnell einig, dass es uns sehr stark an New York erinnerte. Was aber auch sehr auffällig ist, ist wie verschieden die diversen Stadteile sind! Alte Traditionsviertel und hoch moderne Hochhäuser sind oft nur von wenigen Metro Stationen getrennt.
Bei RICOH angekommen, machten wir erst mal ein Beweisbild, damit ich mindestens einen Tag Urlaub zurück bekomme und bei der nächsten Gehaltsverhandlung noch einen Strumpf im Ärmel habe, also psst keinem weiter sagen 😉 Außer dem Logo auf dem Dach und an der Eingangstür gab es nicht wirklich viel zu sehen. Erstens weil Samstag war und somit alles geschlossen und zweitens ist bei uns in Hannover auch nicht viel mehr zu sehen.

Schon ging es nach einer kleinen Kaffeepause im Hause Starbucks weiter Richtung „Takeshita Dori“. Einer Straße, die keine Wünsche für Kostüme in Form von Baby-Dolls, Cosplay, Gothic-Lolitas, … offen lässt. Auf dem Rückweg schauten wir noch mal bei unserem Sushi Dealer von gestern vorbei. Siehe da, er hatte noch ein Plätzchen für uns frei und wir für seine Leckereien, das passte ja 🙂

Zurück im Hotel hieß es für mich Sachen packen und auf ins „Stunden“-Hotel. Check in frühestens 17 Uhr, raus spätestens 10 Uhr, das hat schon etwas von Stunden-Hotel. In meinem Fall ist aber das Kandi Kapsel Hotel gemeint. Nach etwas Suchen, da die Beschreibung etwas speerlich gewesen war, hab ich das schmale Gebäude in einer kleinen Seitenstraße gefunden, während Sandra schon im warmen Bett geschlafen hat.
Nach dem Schuhe einschließen, ging es hoch in den 5. Stock, wo die Kapsel 507 mein Zuhause für eine Nacht sein sollte. Im fünften Stock angekommen warteten auf zwei Ebenen ca 20 Kapseln. Jede ca 1×1 m (h x b) und 2 m tief. Darin enthalten ein TV, ein Wecker, ein Radio, eine Steckdose und eine Art Rolladen, den man nicht abschließen kann. Zu jeder Kapsel gehört auch noch ein Spind, in dem man seine Wertsachen einschließen kann. Das Ganze hat etwas von Klassen- bzw. Fussballballverein Jugendabschlussfahrt. Wahrscheinlich auch, weil auch hier nur Männer zugelassen sind.
Die Nacht war alles in allem Dank gut isolierter Kapsel sehr ruhig. Nur als morgens nach und nach die anderen Gäste ihre Kapseln verlassen haben, wurde es durch die fehlende Tür etwas lauter. Das würde ich jederzeit wieder machen bzw. weiter empfehlen, für mal 1-2 Nächte genau das richtige.

Unser letzter Tag stand unter dem Motto: „Viel machen, nix klappt“. Starten wollten wir mit etwas Kulturellem und uns den Palast des Kaisers anschauen. Im Reiseführer stand an 365 Tagen geöffnet, was aber in Wirklichkeit max 364 Tage sind. Denn am Tag vor des Kaisers Geburtstag, finden die ausgiebigen Aufbauten rund um den Palast statt, so dass er nicht geöffnet wird, was uns ein Polizist erklärte.

Als nächstes wollten wir mal Richtung Wasser, auf eine der vorgelagerten Inseln. Die künstlich erbaute Insel Odaiba wurde uns vom Reiseführer empfohlen. Hier erwartete uns neben einem verkleinerten Nachbau der Freiheitsstatue aus New York weitere Shopping Malls, Riesenrad, AquaMarine Park und und und. Nach Shopping war uns heute ausnahmsweise einmal nicht, so nutzten wir die Gelegenheit für ein Mittagessen und nen Kaffee und spazierten bei wieder einmal sonnigen Wetter über die Promenade. Für uns ein Highlight war, dass Eltern ihre Kinder im „Katzenspielplatz“ abgeben konnten, damit die dann mit den Katzen spielen und sie streicheln konnten.

Zurück auf dem Festland ließen wir uns von einem Weihnachts-Plakat in der Metro verleiten zum Skytree, dem Wahrzeichen der Stadt zu fahren. Auf dem Plakat war ein Bild von Weihnachtsmarkt-Buden wie wir sie kennen, beleuchteten Tannenbäumen und im Hintergrund der Skytree (Fernsehturm).
Also dachte ich mir, schön noch mal auf den Weihnachtsmarkt und uns auf Weihnachten einstimmen und Tokyo ausklingen lassen. Ja Pustekuchen! Wir haben die gigantische Shopping-Mall mehrfach durchquert und den Turm bei Eiseskälte umrundet und außer ein paar beleuchteten Tannen nix gefunden. So ging es nach dem Abendessen ein wenig enttäuscht zurück ins Hotel zum Packen, denn morgen früh geht es gleich nach dem Frühstück zum Flughafen ab in die Wärme. Die können wir jetzt auch gebrauchen!

Fazit: Tokio

Marco:

1. die Stadt ist die Sehenswürdigkeit
2. es wirkt alles sehr strukturiert und sauber
3. Hauptbeschäftigung in der Metro ist tippen am smartphone oder Tablet. Gern gespielt wird scheinbar Sudoku
4. wo Weihnachtsmarktbuden zu sehen sind, ist noch lange kein Weihnachtsmarkt
5. wir brauchen einen neuen „Toilettendeckel“, ob es so etwas auch schon mit App fürs iPhone gibt!?
6. Japaner fotografieren genauso viel wie in Deutschland, gut wir stehen dem in fast nix nach 🙂
7. die Menschen sind auffällig gut gekleidet und modebewusst. Entweder sie sehen aus, als ob sie jeder Zeit spontan zum Vorstellungsgespräch bei der Bank gehen können oder extrem stylisch bis ins letzte Detail.
8. Sharp hat seinen Firmensitz neben Canon und Fujitsu und IBM. Ricoh ist mehr am Puls der Zeit bzw. am Kunden, mitten in der Stadt 😉
9. würde jeder Zeit wiederkommen, dann aber vielleicht besser im Frühling zur Kirschblütenzeit oder im Sommer.
10. wiedererwarten eine sehr leise und entspannte Stadt, damit hätte ich nicht gerechnet. Selbst in der Vorweihnachtszeit wo alle noch auf geschenkejagt waren kam keine Hektik auf.

Sandra:

1. Kundenorientiert: Noch nie, wirklich noch nie habe ich soviel Service am Kunden erlebt wie hier. Hier ist der Kunde noch König, benimmt sich aber dem Personal auch respektvoll gegenüber. Bei Starbucks bspw. steht direkt jmd. am Eingang, um Plätze zu reservieren, damit man dann nicht mit Essen und Getränken blöde da steht.
2. Prozessorientiert: Jeder Prozess scheint bis ins kleinste Detail durchdacht und wenn sich etwas ändert, wie z.B. eine lange Schlange zur Bestellung, wird darauf direkt reagiert. Genau mein Ding!
3. Sauber: Die Stadt ist Mega sauber. auch hier bemerkt man den respektvollen Umgang miteinander. hier wird kein Müll einfach fallen gelassen, es liegt nicht ein Kaugummi auf dem Boden – nichts!
4. Detailverliebt: Auch hier ist alles mega durchdacht. Sitze für die Kinder in den Toiletten, so dass man das Kind einfach mit reinnimmt, Halter für Schirm und Gehstock an den Ticketautomaten, so dass diese nicht wie sonst immer,runterfallen und auf dem Boden landen….Meist einfach aber Mega praktisch und bei uns leider einfach nicht vorhanden.
5. Ruhig : Millionen Einwohner und doch so ruhig. Hier wird nicht geschrieen oder laut telefoniert. Es befinden sich tw. sehr viele Menschen auf einer Stelle und trotzdem ist es einfach angenehm und nicht hektisch. selbst in den Zügen und der Metro verweisen Schilder darauf, dass man sein Handy auf lautlos stellen soll bzw. Raus zum Telefonieren soll. herrlich.
6. Toiletten: Überall und kostenlos. Selbst in jeder Metro-Station kann man sorglos auf die sauberen Toiletten gehen. Da ist jede dt. Kaufhaus-Toilette „ein Dreck“ dagegen.
7. Leben und Leben lassen: In keiner Stadt wurden wir so wenig oder besser gar nicht angestarrt wie hier. Trotz der mehr als wenigen Langnasen-Touristen wird man einfach in Ruhe gelassen. Und besonders toll: jeder rennt hier rum, wie er will. Ob ganz verspielt romantisch, im Gothik-Style oder heute man mit pinkem Haar und grünen Glitzer-Brauen. Und all das ist normal. Find ich herrlich. Auch das hat für mich wieder sehr viel mit Respekt zu tun.
8. Sicher: hier stehen teure Fahrräder unabgeschlossen rum und das ist auch der Eindruck, den man von der Stadt hat. Hier braucht sich keiner unsicher fühlen.

Alles Punkte, die ich sehr schätze und deshalb habe ich mich auch sehr wohl gefühlt. Lediglich wärmer hätte es sein können, aber das liegt ja immer an der eigenen Ausstattung, die ich aufgrund der weiteren Stationen klein gehalten habe 😉

Sayounara Tokyo!

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