Tolle Strände, Wein und Frostbeulen – Margaret River
Traumhafte Strände, gigantische Wälder, Jahrtausend alte Höhlen, erstklassische Weine und jede Menge pure Natur. Der Reiseführer für die Margaret River Region südlich von Perth, hört sich fast zu schön an um wahr zu sein. So konnten wir es kaum erwarten unseren ersten gemeinsamen Camper Trip zu starten. Wäre da nicht die Abholung des Campers fast im Weg gewesen.
Endlich war es so weit: unser erster 2-wöchiger Urlaub seitdem wir im Sommer 2017 als sogenannte Digital Nomaden (den Start noch mal zum Nachlesen: Wir werden Digital Nomaden! Bitte was?) gestartet sind, stand vor der Tür. Es sollte auch zeitgleich ein weiteres erstes Mal für uns geben, denn es sollte unser erster gemeinsamer Camper-Van-Urlaub werden. Ziel: so viel von der Westküste Australiens zu sehen, wie in den 17 Tagen möglich ist. Im Beitrag Lebende Kuscheltiere und ein großes Feuerwerk – Perth haben wir ja schon erwähnt, dass der Bundesstaat West Australien (WA) fast 8 mal so groß ist wie Deutschland. Da kann man sich vorstellen dass man in 17 Tagen nur einen kleinen Ausschnitt zu sehen bekommt und eine gute Planung alles ist. Wobei wir auch nicht zu viel planen wollten, um uns die Möglichkeit uns treiben zu lassen, nicht komplett zu nehmen.
Schon Tage vorher checkten wir online bei unserer Autovermietung Apollo Camper ein, um bei der Abholung Zeit zu sparen, wie mir das System annoncierte. Nur um dann vor Ort festzustellen, dass es eigentlich egal gewesen wäre, da alle weiteren Daten per Hand von dem Formular in den Rechner eingetragen werden mussten und so vergingen knapp drei Stunden bis Fabio, Sandra und ich in unserer kleinen Nelly gesessen haben, um endlich vom Hof zu fahren. Nelly, so tauften wir unseren kleinen süßen Camper, ist ein Toyota HiTop Mini-Van, der zu einem Camper umgebaut wurde. Sie ist gerade mal knapp 4 Jahre alt und hat mit ihren 350.000 km schon Einiges von Australien gesehen und bestimmt viele Geschichten zu erzählen. Wir sollten weitere 4.500 km auf ihren Tacho bringen und unzählige Stunden mit ihr verbringen, in denen sie uns immer sicher und zuverlässig von A nach B brachte. Auch als die Straßen aufhörten und es nur noch unbefestigt weiter ging – auf die kleine Nelly war Verlass.
Die kleine Nelly.
Tag 1: Perth – Busselton (250 km)
Besagter Check-In ging ordentlich in die Hose, wollten wir eigentlich direkt nach dem Pick-up nach Penguin Island fahren, um dort das Mittagsboot zu bekommen, was nun natürlich längst weg war. So richteten wir uns erst einmal häuslich ein und steuerten den ALDI an, um unseren Kühlschrank zu füllen und Vorrat für die nächsten Tage zu kaufen. Sandras größte Sorge war, dass es 17 Tage nur Dosen Ravioli geben würde und so recherchierte sie schon im Vorfeld nach leckeren und einfachen Gerichten und rief die Zero-Carbs-Regel (keine Kohlenhydrate) aus, die dann am Ende mehr in ein „viel Gemüse und alles frisch zubereitet“ geändert wurde.
Unser erster Stopp auf dem Weg in die Margaret River Region, also südlich von Perth, war Busselton. Ein Ort der für sein über 1 km langes Pier bekannt ist und auf dem sogar eine kleine Bahn fährt, die die Besucher an die Spitze bringt, wo eine Art Aquarium wartet. Der fortgeschrittenen Stunde und der Tatsache geschuldet, dass allein schon für das Betreten des Piers eine Gebühr erhoben wurde, übersprangen wir diesen Teil. Da war es wieder, was uns schon in Neuseeland so unangenehm aufgestoßen ist: Für wirklich alles Geld zu bezahlen. Unsere Hoffnung für die nächsten Tage war, dass es hier nicht ganz so schlimm ist, wie im Nachbarland.
In Busselton haben wir dann auch unsere erste Nacht auf einem wunderschönen Campingplatz verbracht:
Mandalay Holiday Resort 🦘🦘🦘🦘🦘
Busselton Pier
Tag 2: Busselton – Hamelin Bay (100 km)
Es ließ sich erstaunlich gut in der kleinen Nelly schlafen und auch Fabio war positiv von seinem 8 Euro Zelt vom Kmart überrascht. Die Waschräume und Toiletten waren hell, freundlich und sehr sauber. Sandra’s Glück war dann vollkommen, als sie den kleinen Kaffee-Van entdeckte, der scheinbar jeden Morgen auf der Campsite stationiert ist.
Schnell wieder alles an seinen Platz gepackt, ging es los. Wobei wir nicht weit gekommen sind, denn kurz nach dem Start entdeckten wir zufällig das Weingut Palmer auf dem Weg. Daher war unser erster Halt eine Weinverkostung, die eigentlich erst für Nachmittags auf dem Programm stand. Aber diese Gelegenheit durften wir uns nicht entgehen lassen, da spielte es auch keine Rolle dass der Zeiger der Uhr erst auf 10 stand.
Nach dem gelungenen Start ging es weiter zum Cape Naturaliste Leuchtturm, um den wir eine kleine Wanderung machten, bevor wir es uns für eine Mittagspause am Meelup Beach bequem machten. Leider meinte es der Wettergott nicht so gut mit uns, daher mussten wir die Runde Planschen nach dem Essen überspringen.
Über die Cave Road steuerten wir unseren heutigen Campingplatz in der Hamelin Bay entgegen. Ich hatte im Vorfeld viel gelesen, um mögliche Routen und Optionen in Erfahrung zu bringen und bin dabei auch einige Male über Erfahrungsberichte der Cave Road gestolpert. Viele Leute berichteten, dass sie diese Straße mit ihrer Schönheit so berührt hat, dass sie immer wieder anhalten mussten. Daher war meine Erwartungshaltung entsprechend hoch, da es hier auch die für die Region bekannten Karri Bäume, die bis zu 90m hoch werden, zu sehen sind. Die Erwartungen waren offensichtlich zu hoch. Bis auf ein kurzes Teilstück wo es eben besagte Karri Bäume zu sehen gab, empfanden wir die fast 80km lange Straße doch eher als normal. Das einzig Gute war, dass man von dort Zugang zu den ganzen Weingütern hat, die hier schön aufgereiht nebeneinander beheimatet sind.
Bevor wir den Campingplatz erreichten, machten wir Halt an einer Mammoth Höhle, um uns per Audio-Guide mehr über eine der vielen Tropfsteinhöhlen zu informieren. Die Mammoth Cave ist eine der größeren und man hat hier über 20 (?) Fossilien von ausgestorbenen, oder zum Teil schon sehr lange nicht mehr in der Region lebenden Tiere gefunden. Es war spannend den Ausführungen zu lauschen und dabei durch die gut ausgebaute Höhle zu wandeln.
Passend zum Sonnenuntergang sollten auf dem Campingplatz ankommen und wollten einen der schönen Sonnenuntergänge genießen, aber aufgrund des eisigen und starken Windes, der leider ebenfalls für die Region typisch ist, wurde daraus ein kurzes Vergnügen.
Karri Bäume an der Cave Road
Tag 3: Hamelin – Busselton (110 km)
Beim Frühstück entschieden wir uns spontan gegen die geplante Weiterfahrt nach Pemberton, wollten wir doch lieber unseren Ausflug nach Penguin Island nachholen. Das ist das Schöne, wenn man wie im Schneckenhaus alle Sachen dabei hat und sich spontan entscheiden kann, wo einen der Wind heute hinwehen soll.
Zwischen dem Cape Naturaliste Leuchtturm und dem Cape Leeuwin Leuchtturm im benachbarten Augusta erstreckt sich der 250 km lange Cape-to-CapeWanderweg. An der Hamelin Bay kann man ein Teilstück davon gehen. So bewaffneten Fabio und ich mich mit Wasser und etwas Proviant, während San es sich im Camper gemütlich machte. Auf unserem Rückweg entdeckten Fabio und ich dann die für die Bucht typischen Rochen, was dann aber leider auch das Highlight unserer kurzen Wanderung darstellte.
Mit unserer lieben Nelly ging es dann zum Cape Leeuwin Leuchtturm nach Augusta, der nicht nur dafür bekannt ist, dass hier das ersehnte Ende oder der Start des Cape-to-Cape Trails ist, sondern auch dafür, dass der Indische Ozean und das Südpolarmeer (Antarktik) aufeinander treffen. Wenn Walsaison ist, kann man hier auch die großen Tiere vorbei schwimmen sehen. Bei genauem Beobachten sieht man sogar wie die Strömung auf das Kap zufließt und sich dann entsprechend teilt. Obwohl das Thermometer 28 Grad anzeigte und wir gut eingepackt waren, froren wir. Der eisige und starke Wind ließ es sich anfühlen wie 18 Grad – wenn überhaupt.
Ordentlich durchgeblasen ging es zum Auftauen wieder nach Busselton zurück, wollten wir doch den nächsten Tag von dort Richtung Penguin Island starten.
Cape Leeuwin Leuchtturm
Tag 4: Busselton – Perth – Lancelin (380 km)
Früh morgens hieß es dann Zelte abbrechen und los, hatten wir heute viel vor. Nach gut 2 Stunden erreichten wir das Besucherzentrum von Rockingham, wo uns die Mini-Fähre innerhalb von 5 Minuten nach Penguin Island bringen sollte. Man kann als eine Ganztagestour auch mit dem Kanu rüberfahren und wenn man Glück hat, kommen dann Delphine und Seelöwen bis ans Kanu ran. Wir entschieden uns für die 45 Minuten lange Pinguin- und Seelöwen-Tour und waren mehr als überrascht, als plötzlich Delphine neben unserem Boot auftauchten und uns begleiteten. Das ging ja gut los. Wenig später schauten wir den Seelöwen beim Faulenzen am Strand zu. Immer wieder wälzten sie sich von der einen auf die andere Seite, und ich fragte mich, ob es in den 60ern und 70ern in Rimini auch so ausgesehen hat
Passend zur „Raubtier“-Fütterung waren wir dann zurück auf der kleinen Insel, die ein Conservation Center hat und sich so um verletzte Pinguine kümmert, bis sie wieder in freier Natur überleben können. Da es sich um eine Mini Pinguin Art handelt, die neben Australien nur in Südafrika, Südamerika und den Galapagos Inseln zu finden sind, fühlten wir uns direkt an die vier Pinguine Skipper, Kowalski, Rico und Private aus dem Film Madagaskar erinnert und so wiesen wir die Namen passend den kleinen süßen Lebewesen zu, die nur bis maximal 60 cm groß werden.
Dann war Abschied nehmen angesagt. Für Fabio ging es am späten Nachmittag zurück nach Melbourne, wo er seine Ostküsten-Rundreise starten wollte und für uns weiter nördlich von Perth, wo neben unendlicher Weite auch jede Menge weitere Tiere und Abenteuer auf uns warteten.
Mini Pinguine
Fazit:
Für uns ein gelungener Start, liegt doch in der Margret River Region alles dicht zusammen, sprich man kann recht viel machen und muss dafür nicht ewig fahren, was für Westaustralien ansonsten sehr untypisch ist. Es ist verhältnismäßig sehr grün, aber man sollte darauf vorbereitet sein, dass immer ein für uns auf Dauer unangenehmer starker und vor allem kalter Wind geht und das Wasser ebenfalls, sagen wir mal sehr sehr erfrischend ist Wenn die Sonne weg ist, wird es daher sogar richtig frisch, so dass wir in der Nacht die dicke Decke herausholen mussten.