Lebende Kuscheltiere und ein großes Feuerwerk – Perth

Die wahrscheinlich abgelegenste Bundeshauptstadt der Welt hat nicht viel zu bieten, so sagt man. Ist das so? Wir wollten uns selbst davon überzeugen was Perth zu bieten hat und wurden zunächst mit einem großen Feuerwerk begrüßt.  

West Australien (WA) ist der größte Bundesstaat von Australien und mit 2.529.875 km² der zweitgrößte der Welt. Zum Vergleich: Deutschland hat gerade mal 357.386 km² und ist somit fast 8 mal (!) kleiner als der Bundesstaat. Allein in der Hauptstadt Perth leben knapp 2 Millionen der gerade mal 2,5 Millionen Einwohner des Bundesstaates. Eine pulsierende Metropole könnte man bei der Größe erwarten, für deren Einwohner es einfacher und vor allem kürzer und günstiger ist nach Bali (3 Stunden) als innerhalb des Landes, z.B. nach Sydney (über 4 Stunden) zu fliegen. 

Wow, wow, wow, woooow

Wir kamen gerade aus dem Flughafen-Terminal, um in unser Uber-Taxi zu steigen, für das es in Perth sogar einen eigenen Stand gibt, als wir unseren ersten traumhaften Sonnenuntergang Westaustraliens zu sehen bekommen. Glaubt man dem Reiseführer so sollen es die schönsten des ganzen Landes sein. In der Tat ist das Farbspektrum sensationell und reicht vom leuchtenden Gelb am Horizont bis zu Dunkelblau. Nicht schlecht als erster Eindruck.

Plus eins

In unserer Airbnb Wohnung hat es sich schon Jemand gemütlich gemacht und für uns gekocht. Mein Neffe Fabio macht für knapp 9 Monate Work’n’Travel in Australien und ist gerade fertig mit dem Part des Arbeitens und fängt nun mit dem Reisen an. Wir freuten uns sehr, dass er extra aus Melbourne rübergeflogen ist, um mit uns gut 1,5 Wochen zu verbringen, bevor er seine Ostküsten-Tour startet. Es gibt viel zu erzählen und so geht ein erster Tag schnell zu Ende.

Das kann sich sehen lassen

Mit ein Grund warum wir uns für den Freitag als Anreisetag entschieden hatten war, dass am Samstag einer der größten australischen Feiertage anstand – der Australia Day.
Jedes Jahr am 26. Januar feiern die Australier die Ankunft der First Fleet in Sydney Cove am 26. Januar 1788. Wie wir den Demonstrationen während des Tages in der Stadt entnehmen konnten, ist der Feiertag nicht ganz unumstritten, denn die Aborigines kritisieren den Tag und sehen ihn eher als Tag der Invasion bzw. Tag des Überlebens, da mit ihm letztlich die Unterwerfung der Aborigines began. Auch heute – über 200 Jahre danach – hat man nicht das Gefühl, dass die Aborigines ein Teil der Gesellschaft sind. 

Eins der tollen Sachen in Australien ist, dass die Feiertage in den Sommer fallen. So hatte ich bereits die Gelegenheit Silvester in Sydney im Hochsommer zu feiern, was dann traditionell mit einem BBQ im Park begann und sich dann über den ganzen Tag hinzog, bis es dann soweit ist. Auch für den Nationalfeiertag sieht das ganz ähnlich aus. In Perth trifft man sich dazu am Nachmittag mit Freunden und der Familie an der Flusspromenade und schmeißt den Grill an. Um 20 Uhr wird dann das größte Feuerwerk des Landes abgefeuert.
Da unsere Airbnb Wohnung gerade mal einen Block davon entfernt ist, sind wir mitten drin, statt nur dabei. 

Dann ist es soweit, wir haben uns mit Fabio einen Platz in der ersten Reihe ergattert und während die Sonne noch ihr Feuerwerk der Farben präsentiert, ertönt der erste Böllerknall. Was folgt sind 30 Minuten Feuerwerk Spektakel vom Feinsten. Aus den Lautsprechern hinter uns läuft die Musik, die u.a. auch über die Radiosender ausgestrahlt wird und auf das Feuerwerk abgestimmt ist – großes Kino! Neben der inoffiziellen Nationalhymne Down Under von Men at Work aus den 80ern wird ein Mix aus aktuellen Pop und Rock Liedern gespielt. Uns fehlen fast die Worte so beeindruckend ist es. Das muss erst mal Jemand topen. 

Australia Day – Feuerwerk in Perth

Soooooo süß

Während Fabio die darauffolgenden Tage die Strände in der Umgebung erkundete, mussten San und ich die Woche noch arbeiten und gingen aber auch zum CrossFit, bevor wir dann Ende der Woche unseren Camper abholten und zusammen mit Fabio in unseren ersten gemeinsamen Camper Roadtrip starteten.

Da ich mit meinen Projekten ganz gut vorangekommen bin, genehmigte ich mir Mitte der Woche dann schon mal einen Tag Urlaub und machte zusammen mit Fabio einen Männertrip nach Rottnest Island, eine kleine vorgelagerte Insel auf der keine Autos fahren dürfen, während Sandra in Perth blieb und bei 37 Grad arbeiten musste. Fabio suchte uns einen Bootsanbieter raus und reservierte uns schon mal Fahrräder auf der Insel, so dass wir uns am kommenden Tag früh morgens mit der Bahn nach Fremantle im Süden von Perth bewegten, denn von dort startet die 30-minütige Überfahrt. Ganz günstig ist das Ticket mit 84 A$ (ca. 50 Euro) nicht. Uns sagte Jemand dass es mehr kosten würde, als ein Flugticket nach Bali, womit er recht hat, aber Bali kennen wir schon und wir wollten ja etwas Neues erleben.

Die Fahrräder waren in einem erstaunlich guten Zustand und so ging sie los, unsere Männerradtour. Ziel: die Buchten auf der anderen Seite der Insel. Nee ist das schön hier, würde unser verstorbener Nachbar Herr Ries sagen und er hätte recht. Immer wieder hielten wir an, um uns die tollen Buchten anzuschauen und ein Foto zu machen, bevor wir weiter radelten. Ab der Mitte der Inseln wurde das Radfahren mehr eine Challenge gegen den Berg als eine gemütliche Tour, aber nach so vielem Sitzen die letzten Tage tut das auch mal wieder gut. Die Wassertemperatur lud mit seinen gefühlten -5 Grad nicht gerade zum Planschen rein, aber wir gingen trotzdem eine Runde schwimmen. Aber wirklich nur eine. 

Rottnest Island ist bekannt für seine kleinen flauschigen Bewohner, den Quokkas. Quokkas gehören zu der Gattung der Kurzschwanzkängurus und werden häufig als glücklichstes Tier der Welt bezeichnet, da sie immer zu lächeln scheinen. Die lebendigen Kuscheltiere werden maximal 60cm groß und sind in Wahrheit noch viel süßer als auf den Fotos. Fabio und ich waren sofort verliebt und versuchten eins der begehrten Selfies zu erhaschen. Ich als alter Tier-Selfie-Spezialist hatte da etwas mehr Glück als mein Neffe, dafür tranken sie ihm aus der Hand. Man kann nicht alles haben.

Quokkas, lebende Kuscheltiere zum Verlieben.

Glücklich ging es nachmittags wieder zurück, um Sandra von unseren Erlebnissen des Tages zu berichten. Was ein toller Tagesausflug und zählt schon jetzt zu den Highlights unserer Westküsten-Zeit. 

Im nächsten Artikel treffen wir Nelly, unsere neue treue Begleiterin für die nächsten Tage und starten gemeinsam mit Fabio in unser Campertrip Abenteuer. Wir lassen uns den Wind um die Nase wehen, entdecken eine neue Seite unseres Familienstammbaums und werden ordentlich schwitzen. 

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Tolle Strände, Wein und Frostbeulen – Margaret River

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Was macht einen guten Reise-Fotografen aus?