Wenn jetzt Sommer wär … – Rotorua, Tauranga & Coromandel
Nach einer faszinierenden, ersten Woche in Neuseeland mit dem Highlight des Tongariro Alpine Crossings, waren wir gespannt was das Land in der zweiten Woche für uns bereit hält, doch erst mal hieß es Abschied nehmen.
02.-08.12.2016 ::
Der größte Freizeitpark der Welt
Nach zwei aktiven Tagen in Taupo ging es am nächsten Morgen ohrenbetäubend weiter, denn bei den Huka-Falls wird Neuseelands längster Fluss, der Waikato River(425 km), in die Enge getrieben. Der Fluss wird von Mutter Natur an dieser Stelle auf 10 Meter Breite zusammengequetscht, so dass 220.000 Liter jede Sekunde den Wasserfall herabschießen. Damit könnte man jede Sekunde 5 olympische Schwimmbecken füllen. Jede Sekunde!!!
Eine heiße Quelle
Nach einem kurzem Bad in einer heißen öffentlichen „Badewanne“ ging es weiter nach Rotorua. Die Gegend um das Städtchen ist bekannt für seine heißen Thermalquellen (hier ein Link zu 6 kostenlosen Quellen) und Geysire. Also fast wie Zuhause in Wiesbaden Überall dampft oder blubbert irgendwas und der Duft von faulen Eiern hängt über der Stadt.
In der Gegend von Rotorua bekommt man, genau wie schon in der Stadt Taupo, das Gefühl dass Neuseeland ein einziger Freizeit-Adventure Park ist. Wenn man das nötige Kleingeld mitbringt! Diverse Attraktionen, für die man manchmal durch die halbe Welt reisen muss, gibt es hier alle auf einem Fleck: Wildwasser-Raften, Skydiving, Tauchen, Downhill Mountainbiken, Quad fahren und und und… Jochen Schweizer würde ausflippen vor Freude.
UFO’s !?
Nach einem schönen letzten Abend mit Thomas mit Billiard, Tischtennis und Playstation im Rock Solid Backpackers, ging es auf einen kleinen Spaziergang durch den Redwood-Wald und dem Bestaunen der roten Mammutbäume (Küstenmammutbaum). Allerdings wurde ihnen von einem „Regenbogen“ um die Sonne (Sonnen-Halo) die Show gestohlen. Das war kein Regenbogen Richtung Erde, sondern komplett ein Kreis im Himmel in Regenbogenfarben um die Sonne, welcher beim ersten Hinschauen eher aussah wie ein UFO aus Independence Day. So etwas hatten wir noch nie gesehen. Die Asiaten am Parkplatz rasteten komplett aus, wir natürlich nicht.
Sonnen Halo
Generation Z
Mit Thomas als Reisebegleitung hatten wir einen Volltreffer gelandet und so reiht er sich in die Liste toller Menschen, die wir auf der Reise kennengelernt haben, ganz oben ein. Er hat mit seinen 26 Jahren schon jede Menge tolle Geschichten zu erzählen, denen wir gerne lauschten und war u.a. für mich der ideale Begleiter beim Wandern über den anspruchsvollen Alpine Crossing Wanderweg und für San beim CrossFit Rotorua, als mein Körper noch einen Tag Pause benötigte.
Da Thomas erst Mitte zwanzig ist, hat er das Glück Work&Travel machen zu können, was mit dem Erreichen des dreißigsten Lebensjahr vorbei ist (außer in Kanada). Er arbeitete bevor wir uns in Auckland getroffen haben für 6 Wochen in Australien auf einer Farm. Dort verdiente er mehrere Tausend Euro, von denen er sich jetzt eine tolle Zeit hier in Neuseeland macht. In ca. zwei Wochen wird er sich wieder zum Kontoauffüllen nach Australien begeben, um sich dann Richtung Südafrika aufzumachen.
Wie so viele andere junge Reisende, die wir auf dieser und den letzten Reisen getroffen haben, gehört Thomas einer Generation an, für die die Welt zu erkunden ganz anders möglich ist, als das z.B. für uns oder die Generation unserer Eltern der Fall war. Alles und Jeder ist am letzten Zipfel der Welt noch vernetzt und bestens informiert – falls man will. TripAdvisor, Instagram & Co. waren eh schon da und der Flug ist im Verhältnis zu vor 10-15 Jahren spotgünstig. Den richtigen Reisepass vorausgesetzt, ist man unter dreißig auch zum Arbeiten überall herzlich willkommen.
In Rotorua stand, wie so häufig auf dieser Reise, für uns erst mal wieder Abschied nehmen auf dem Programm. Thomas‘ Weg führt Richtung Süden der Nordinsel, um anschließend mit der Fähre auf die Südinsel überzusetzen. Für uns geht es in den Nord-Osten auf die Coromandel-Halbinsel. Er wird uns sehr fehlen, haben wir uns doch sehr an seine Gesellschaft gewöhnt.
Fast Urlaub
Auf dem Papamoa Campingplatz in der Nähe von Tauranga sollten wir das erste Mal mit Blick aufs Meer aufwachen. Wir malten uns bei der Anfahrt schon aus, nach über 2.000 gefahrenen Kilometern mal einen Tag Urlaub vom Urlaub zu machen. Einfach mal ein Buch am Strand lesen und ins Wasser springen, wenn es zu warm wird.
Am frühen Abend angekommen, bewunderten wir den schön angelegten Campingplatz an einem scheinbar unendlich langen Sandstrand. Dick eingepackt machten wir erst mal den Grill an, bevor die Sonne ganz unterging und es noch kälter wurde. Wir wussten zwar, dass Sommerurlaub in Neuseeland nicht gleichzusetzen ist mit solchen wie bspw. in Spanien oder Italien, dachten aber fälschlicherweise doch, dass es deutlich wärmer wird. Nun wussten wir immerhin warum wir etwas wärmere Sachen in den USA gekauft haben und für was sich das Schleppen dieser durch Kolumbien und Panama gelohnt hatte. Im Nordland, also dem Norden der Nordinsel, war ans Rausgehen ohne Softshell-Jacke oder dicken Pulli nicht zu denken. Der Tageshöchstwert lag bei 16 Grad und der meist frische Wind ließ es deutlich kälter wirken. Seit Hamilton ist hop oder top angesagt. Wenn die Sonne rauskommt, ist Trägershirt und kurze Hose angesagt, schiebt sich eine Wolke davor oder man läuft im Schatten bzw. die Sonne ist am Untergehen, ist wieder dicker Pulli und lange Hose angesagt. Immerhin zeigte das Thermometer in Papamoa 25 Grad an, auch wenn die gefühlte Temperatur ohne Sonne bei mindesten 10 Grad weniger liegt. Somit war ständiges An- und Ausziehen angesagt. Der Blick auf die tollen Strände und dass man sie quasi für sich allein hat, lässt einen am liebsten direkt reinspringen, beim Antesten mit dem Fußzeh wurde aber auch schnell klar, warum diese so leer sind. Die Wassertemperatur liegt bei erfrischenden 16 Grad. Da vergeht einem schnell der Gedanke ans Herumplanschen. Das sind ja so gar nicht unsere Temperaturen für einen Sommerurlaub. Brrr.
Damit es warm wird am Strand, buddelt man sich ein Loch, um an die heißen Quellen zu gelangen.
Lecker & günstig
Unser Strandtag am zweiten Tag fiel daher sehr kurz aus. Trotz Sonne froren wir dank des eisigen Windes vom Meer, so dass an gemütliches Buch lesen dort nicht zu denken war. Somit machten wir uns auf, um zum Aufwärmen einen Kaffee im gemütlichen Örtchen Tauranga trinken zu gehen. Das war ein toller Plan B. Auf dem Rückweg kauften wir dann noch in unserem neuen Lieblingsladen Pak’n’Save fürs abendliche Grillen ein. Pak’n’Save (Verlinkung für Store Map) ist eine Mischung aus den deutschen Supermärkten Metro und Real mit guten Preisen, auch wenn hier 1 kg Kirschen mal eben 28 NZ$ (!) kosten. Alles, was nicht aus Neuseeland kommt, ist sehr teuer. Lokale Produkte liegen etwa auf dem Niveau von Deutschland, außer für Milchprodukte trifft das, warum auch immer, nicht zu. Die sind teurer und das obwohl wir bei weitem mehr Kühe als Schafe hier gesehen haben. Bei jedem Einkauf im Pak’n’Save bekommt man einen 6 Cent/Liter Gutschein für die hauseigene Tankstelle. Da kauft man doch gerne ein.
Kirschen für 28 Dollar/Kg !!!
Insgesamt hatten wir uns wirklich darauf eingestellt zwei Wochen die obligatorischen Dosen Ravioli, San’s Favorit, essen zu müssen um das Tagesbudget von 75 Euro/Tag einhalten zu können. Dank einem guten Auge für die Preise und der Kochkünste von Thomas und Sandra gab es aber jeden Tag ein leckeres, gesundes und frisches Essen auf den Tisch mit z.B. Spargel, Avocados, frischem Fisch oder Rindfleisch und über den Tag jede Menge lokales Obst (Kiwi, Äpfel oder Erdbeeren). Und noch besser: Wir blieben trotzdem unter der gesetzten Budgetgrenze.
Besonders freuten wir uns, dass wir die verpasste deutsche Erdbeersaison etwas nachholen konnten. Jippy!
CrossFit NZ
Mit dem CrossFit Te Rapa in Hamilton und CrossFit Rotorua hat sich am letzten Tag noch das CrossFit Raw Strength in Auckland in unsere Crossfit Around the World-Map eingereiht. Während wir uns in Hamilton zusammen mit Thomas auspowerten, besuchten wir in Rotorua (San) und in Auckland (Marco) die Trainingstunden jeweils allein. CrossFit ist auch hier ein sehr beliebter Sport und im Verhältnis zu Deutschland sehr günstig. So bezahlte ich in Aukland gerade mal 10 Euro.
Fazit
Nach über 2.400 gefahrenen Kilometern in 13 Tagen steht fest, wir brauchen mal Urlaub und sind insgeheim etwas froh darüber, dass wir nicht wie geplant weiter Richtung Südinsel reisen. Dass wir die Südinsel auslassen, ist aber mehr darin begründet, dass wir unsere Reise um 2,5 Monate verlängern. Zwei Wochen hier bedeuten 4-6 Wochen in Asien. Der letzte ausschlaggebende Punkt war dann das verheerende Erdbeben vor drei Wochen, dessen Aufräumarbeiten noch voll im Gang sind und einige Straßen immer noch nicht befahren werden können.
Das absolute Highlight für mich war das Tongariro Alpine Crossing, was auch gleichzeitig ein Highlight der gesamten Reise darstellt. All die anderen Wasserfälle, Walks und Lookouts werden wahrscheinlich nicht nachhaltig in Erinnerung bleiben, waren sie doch alle relativ ähnlich oder zumindest nicht so beeindruckend, als dass sie herausgestochen haben. Am besten hat uns das Nordland, sprich der Norden der Nordinsel gefallen, da wir hier das Gefühl der abwechslungsreichen Landschaft hatten, von dem ja alle immer so schwärmen. Südlich von Aukland dagegen fanden wir die Natur relativ gleichbleibend. Alles in Neuseeland ist extrem gut ausgebaut und wir würden behaupten einige Straßen und Zufahrtswege sogar besser als in Deutschland.
Für uns macht ein tolles Urlaubsreiseziel auch immer eine Art von Abwechslung aus, meistens sind das Kultur (Essen, Land und Leute), Wasseraktivitäten wie. z.B. Tauchen oder einfach mal einen Tag am Strand verbringen und natürlich Neues zu entdecken.
Da an (kostenlose) Wasseraktivitäten trotz der vielen Küstenabschnitte und den tollen Stränden durch das eisige Wasser und die Sandfliegen am Strand genauso wenig zu denken war wie ans Tauchen, fiel das aus.
Die Maori-Kultur gibt es leider nur noch in extra dafür angelegte Freizeitpark zu sehen. Und die „lokale“ Küche wird dominiert von chinesischer-, japanischer- und thailändischer Küche, was uns natürlich sehr gut gefallen hat
Was bleibt, ist diese unendliche grüne Natur, durch die wir tagelang auf gut ausgebauten Straßen gefahren sind. Vorbei an weitaus mehr Kühen als Schafen, wie man vielleicht nicht vermuten mag. Meist unberührte Natur, die aber abgezäunt ist, weil sie dann doch irgendwem gehört und einem daher nicht mehr ganz so unberührt erscheint. Es fühlt sich etwa so an, als würde man tagelang durchs Allgäu und den Voralpen fahren – nur eben ohne Menschen Neuseeland hat etwa 2/3 der Größe von Deutschland (270.000 km² zu 360.000 km²), aber gerade mal so viele Einwohner wie Berlin (4,0 Mio. zu 3,5 Mio.). Damit man sich das mal etwas besser vorstellen kann.
Fakt ist, wer auf Action steht und ein Tagesbudget von mindestens 150-200 Euro/Tag p.P. zur Verfügung hat, kann hier sehr viel erleben. Wir dachten fälschlicherweise es wäre mehr von der Natur kostenfrei oder für kleines Geld zugänglich. Denn es handelt sich ja um Natur…
Abschließend bleibt für uns aber immer noch die Frage zu klären, warum so viele Neuseeländer barfuß durch die Gegend (Supermarkt, Stadt, einfach überall) laufen? Kreative Erklärungen oder aufklärende Infos nehmen wir gern entgegen :-).
Unsere Reise führt uns zu meinem ehemaligen Arbeitskollegen an die Sunshine Coast von Australien, zwei Stunden nördlich von Brisbane und anschließend nach Melbourne. Dieses Mal hoffentlich ohne Zwischenlandung.
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